Home  ~  Presse

Jo Kern liest aus 'Hainchen

 

Gießener Allgemeine Zeitung ~ vom 29.06.2011
www.giessener-allgemeine.de

'Ein Dorf namens Hainchen', ein Ort, einst von 'Kriegshorden niedergebrannt'. Nun ist Hainchen ein großes Arbeitslosenzentrum: Schauplatz des neuen Romans des Gießener Autors Hans-Jürgen Hilbig.
Mit großartiger Stimme und Durchhaltevermögen rezitierte die Schauspielerin Jo Kern am Dienstagabend in der Kümmerei.


Aus Giessener Anzeiger

 

TIFF/Kultur 10.05.2008: Das schöne Mädchen von Seite 1

Klaus- J. Frahm, GIESSEN: Es ist eine sehr eigene Welt, die Wohngemeinschaft, in der Elke lebt. Schon seit über 15 Jahren wird Elke von ihrem Erfinder in immer neue, nicht zu bestehende Abenteuer gestürzt, aus denen sie auf wundersame Weise immer wieder unversehrt heraus kommt.

Im Antiquariat 'Dichtung und Kunst' im Seltersweg 55 begaben sich die Zuhörer am Donnerstagabend in die von Fallstricken durchzogene Fantasiewelt des Dichters.
Wanderführerin war bereits zum dritten Mal die Münchner Schauspielerin Jo Kern, deren Lesung von Texten Hilbigs auch auf CD erhältlich ist. (...) Hilbig erzählte, wie ihm 1992 eines Tages die Fernsehbeilage aus der Tageszeitung heraus rutschte und ihn Jo Kern von der Titelseite anlachte. Damals hieß sie noch Judith Kernke, und der Name sollte den Dichter nicht mehr loslassen. Als im neuen Haushalt Hilbigs 1998 das Internet verfügbar war, gab der Dichter in eine Suchmaschine als ersten Begriff den Namen Judith Kernke ein und fand Jo Kern. Ihr schickte Hilbig sofort die gesammelten Texte über seine Figur Elke, die in seiner Fantasie aussah wie die Schauspielerin. Nach einer Reihe Mails, unter anderem mit Gedichten und neuen Prosatexten, kam die Antwort aus München.
So begann eine fruchtbare Zusammenarbeit, der neben der CD die inzwischen dritte Lesung in Gießen entsprang.
Das Publikum erlebte wie in den vergangenen Jahren eine humorige Lesung, das Publikum amüsierte sich, und zum Abschluss gab es noch eine angeregte Unterhaltung mit dem Publikum. Dann signierten der Dichter und die Schauspielerin bereitwillig CDs fürs Publikum.



TIFF/Kultur 22.08.2006


2006: Jo Kern bei ihrem Auftritt in Gießen

(...)und Kern erwies sich wie schon vor einem Jahr als ideale Besetzung, um die merkwürdige Texte vorzutragen. Mit scheinbar müheloser Übersicht arbeitete sie Nuancen heraus, ließ die sinnliche Stimme nicht zu rauchig klingen und trat der eigentümlichen Dichtersprache mit entspanntem Humor entgegen. So konnte man sich an Hilbigs schrägen Umgang mit Bedeutungen, seine paradoxen Aufhebungs-Schlenker und natürlich seinen Witz gewöhnen. "Wenn zwei Stühle einander verstehen, macht irgendwo auf der Welt ein Möbelhaus auf" - wie Kern das liest, ist das reine Poesie.

Hörerkritik bei Amazon von: 'Elke erzählt'

Ideale Interpretin für Hilbigs Texte

 

Schauspielerin Jo Kern stellte Hör-CD "Elke erzählt" vor.

GIESSEN (hsc). Hans-Jürgen Hilbig ist ein Gießener Dichter. Der Autor reimt jedoch nie, vielmehr fügt er Alltägliches chaotisch zu Gedanken und Bildern zusammen, die man dann wiederum unstimmig nennen kann. Bis man zu diesem Urteil kommt, muss man jedoch entweder Schmunzeln, Kichern oder Lachen.
Jetzt kam es noch besser: Die Schauspielerin Jo Kern las am Samstag ganz vorzüglich bei Bau & Raum Texte aus Hilbigs aktueller Hör-CD "Elke erzählt".

Jetzt weiß man endlich, wer Elke ist - und wie sie klingt. Wer Hilbig ist (Hausherr Gerd Römer: "Der wohl ungewöhnlichste Gießener Dichter"), wissen in Hessen durchaus einige Leute (der HR strahlte mehrere Arbeiten von ihm aus). Die Münchnerin Jo Kern ist durch ihre Arbeiten für Fernsehen und Film bekannt.
Wie man zusammen kam? Hilbig habe davon geträumt, dass Kern mal die Hauptrolle in der Verfilmung seiner WG-Geschichten mit der Hauptfigur Elke spielen würde. Zwar war Kern durch Projekte noch größeren Kalibers verhindert (sie drehte eben "Special" mit Til Schweiger, Jürgen Vogel und Alexandra Maria Lara ab), gleichwohl kam es im Sommer dieses Jahres zur Produktion einer Hörbuch-CD, produziert und einfallsreich mit Musik begleitet von Peter Herrmann.

Ums vorweg zu nehmen, Kern ist die ideale Besetzung für Hilbigs Arbeiten. Sie geht mit einem Schwung und zugleich einer humorvollen Respektlosigkeit an die Texte heran, die erst mal ansteckend sind. Das ist auch wichtig, denn sie handeln unter anderem von einer "Fliege, die nicht sterben kann", und von Strichmännchen, die ein gefährliches Leben führen. Gelegentlich sagt Elke Sätze wie "Ich ging zu den Gräbern und beruhigte die Toten". Hilbigs Element ist das Sammeln paradox verfremdeter Bilder ("Regenwürmern beim Pinkeln zugucken") und ultratrockener, selbstironischer Vollbremsungen: "Das gibt es nicht, aber so ein Satz, einmal hingeschrieben, verdient es, zu bleiben". Das sitzt, und wenn Kern dabei verschmitzt ins Publikum lächelt, wundert man sich, was man an den schrägen Sachen Hilbigs jemals seltsam fand?

Die Schauspielerin bringt präzise, routiniert und mit unaufdringlicher Sinnlichkeit auf den Punkt, was den Autor auszeichnet: Die Sprache stimmt immer, der Inhalt nie, vereinfacht gesagt; manchmal schaut Kern selbst verwundert zum Autor rüber. Fest steht jedoch, dass man sich von Hilbigs kunstvoll aufgetürmten, originellen und fantasiereichen Bilder- und Gedankenstapeln nachhaltig anregen und stimulieren lassen kann. Ganz besonders, wenn Jo Kern liest, als wäre das alles ganz normal.
(Artikel aus dem Giessener Anzeiger vom 15.11.2005)